E-Commerce: Online-Umkleidekabine soll Gewinn steigern

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Der Robotertorso kann 100.000 Oberkörperformen annehmen. (fits.me)

Wer online Kleidung kauft, muss immer damit rechnen, dass sie nicht passt. Denn auf die Anprobe musste bisher verzichtet werden. Ein neuartiger Roboter macht jetzt genau das möglich - und verspricht steigende Umsätze für den E-Commerce.

Im Internet ist der Kauf von Kleidung eine heikle Sache. Weil es schwierig ist, die richtigen Größen zu finden, sind Kunden zögerlich, sie bestellen verschiedene Größen und schicken die unpassende Ware wieder zurück. Jahr für Jahr entstehen so unnötige Kosten für Retour-Sendungen: Branchenkenner gehen davon aus, dass die Deutschen fast ein Drittel ihrer Bestellungen wieder zurückschicken.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat die baltische Firma Fits.me für dieses Problem jetzt eine Lösung parat: ein Roboter, der nur aus einem Oberkörper besteht und 100.000 verschiedene Körperformen annehmen kann. Entwickelt wurde der Torso von einem Team der Universität Tallinn in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus Tartu und Bologna. Die Software stammt von der Kaiserslauterner Firma Human Solutions.

Virtuelles Model gibt Vorschau

Mit Hilfe des wandlungsfähigen Mannequins können Kunden beim Shoppen im Netz genau sehen, wie das Kleidungsstück der Wahl an ihnen selbst aussehen wird. Online-Händler müssen ihrem Roboter nur die entsprechenden Stücke anziehen und in verschiedenen Größen Fotos machen. Diese werden dann, abgestimmt auf die Körpergröße der Kunden, als Modell im Online-Shop dargestellt.

Der Kunde gibt als Abgleich lediglich ein paar persönliche Maße an: Männer müssen Größe, Armlänge sowie die Umfänge von Brust, Taille und Hals angeben. Bei Damen wird noch der Hüftumfang fällig. Aus diesen Daten lassen sich Volumen und Form der Kundschaft schnell errechnen.

Mitte des vergangenen Jahres begann das Pilotprojekt bei dem Hemdenhersteller Hawes & Curtis. In diesem Jahr haben sich auch Otto und Amazon, der weltweit größte Online-Versandhändler, beteiligt. Herrenkleidung von Levi's, John Devin und Billabong stehen dort in der virtuellen Umkleide zur Verfügung.

Absatz verdoppelt

Der Markt für Kleidung ist im Internet enorm: Allein in den USA wurden im vergangenen Jahr für 31 Milliarden Dollar Hosen, Hemden und Co. bestellt. In Deutschland waren es 5,4 Milliarden Euro. „Der Textilbereich ist weiter die stärkste Branche im E-Commerce“, heißt es beim Bundesverband des Deutschen Versandhandels.

Auch bei Hawes & Curtis ist man begeistert. Eigenen Angaben zufolge wurden dort seit Einführung der virtuellen Umkleidekabine mehr als doppelt so viele Produkte an Neukunden verkauft - die Rücksendungen nahmen gleichzeitig um ein Drittel ab. SZ




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